Fußball olé, Arbeitsplatz ade?

Unternehmerverband weist auf arbeitsrechtliches Konfliktpotenzial hin

Heute beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Da die Spiele zwischen 15 und 21 Uhr starten, fallen sie für viele Beschäftigte in die Arbeitszeit. Die Vorrunden-Spiele mit deutscher Beteiligung beginnen zwar erst um 18 bzw. 21 Uhr, davon sind dann aber immer noch zahlreiche Schichtarbeiter betroffen. „Bevor Probleme auftauchen oder Mitarbeiter ihre Jobs riskieren, sollten Arbeitgeber und -nehmer unbedingt miteinander sprechen. Nur so verhindern beide Seiten, dass es zum Äußersten – z. B. einer Kündigung – kommt“, rät Martin Jonetzko zu einer unmissverständlichen Kommunikation. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes ist einer von zehn Juristinnen und Juristen bei der Arbeitgeberorganisation, die insgesamt 700 Unternehmen bundesweit in Sachen Arbeitsrecht und Tarifpolitik berät und vertritt.

Die wichtigsten Regeln: Grundsätzlich haben Arbeitnehmer keinen Anspruch, die Spiele während der Arbeitszeit verfolgen zu dürfen. Aber viele Unternehmen erlauben dies z. B. im Rahmen der Gleitzeitregelung und wenn während der Abwesenheit ausgestempelt wird. „Allerdings muss sichergestellt sein, dass die betrieblichen Abläufe nicht zum Stillstand kommen, sollten alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit den Arbeitsplatz verlassen wollen“, sagt Jonetzko. Fernsehen am Arbeitsplatz ist ohne ausdrückliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber nicht gestattet. Anders das Radio: Ist es als „Nebenbei-Medium“ erlaubt, gilt das auch für Fußballspiele. Doch Jonetzko schränkt ein, dass andere Mitarbeiter nicht gestört werden dürfen. „Außerdem kann kein Mitarbeiter erwarten, dass er mehrere Spiele über die volle Länge am Radio oder auch im Internet per Live-Ticker verfolgen darf. Denn jeder wird zugeben: Eine geregelte Arbeit ist dann kaum mehr möglich.“ Also selbst wenn die private Nutzung des Radios oder des Internet im Arbeitsvertrag oder in Betriebsvereinbarungen erlaubt ist, sollte vorher explizit und genau über die Regelungen gesprochen werden.

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer keinen Anspruch, die Spiele während der Arbeitszeit verfolgen zu dürfen (Foto: pixabay)
Martin Jonetzko, stellv. Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes (Foto: Unternehmerverband)

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